30.04.2021, 13:02 Uhr

Arbeitswelt 2.0: „Verantwortung übernehmen und eine andere Grundeinstellung entwickeln“

Der Tag der Arbeit steht vor der Tür. Das haben wir zum Anlass genommen, um mit der wirtschaftspolitischen Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion Dr. Saskia Ludwig über die Zukunft der Arbeit zu sprechen und wie es gelingen kann, den Wandel der Arbeitswelt erfolgreich zu gestalten.

Frau Dr. Ludwig, traditionell ist der 1. Mai ein Tag der revolutionären Ideen. Glauben Sie noch an die Revolution?

Dr. Saskia Ludwig: Ja, allerdings nicht im Sinne der Chaoten, die zum ersten Mai in Berlin ihr Unwesen treiben. Wir befinden uns aktuell in einer Revolution, die unsere Arbeitswelt völlig auf den Kopf stellen wird. Sie ist global, systematisch und unglaublich schnell. Das ist eine völlig neue Qualität. Eine Qualität, die neben allen Chancen auch zu Verunsicherung führt. Als Politik stehen wir in der Verantwortung den Rahmen für einen guten Übergang in diese neue Arbeitswelt zu gestalten.

Was brauchen wir, um in diesem Wandel bestehen zu können?

Dr. Saskia Ludwig: Wir müssen eine andere Grundeinstellung entwickeln. Was meine ich damit? Erstens: Wir brauchen als Politik eine Kultur der Geschwindigkeit. Sowohl in unseren Entscheidungen als auch bei der Umsetzung -wie durch weniger bürokratische Vorgaben -müssen wir uns der Schnelligkeit dieser Revolution anpassen. „Tesla-Tempo“ ist dabei ein guter Anfang, auch wenn sich jetzt gerade in der Realisierung Verzögerungen andeuten und die Produktion wohl erst später startet. Zweitens müssen wir uns klarmachen, dass Verantwortung heute heißt, Chancen zu realisieren, um Arbeitsplätze zu sichern und neue entstehen zu lassen. Risiken müssen dabei natürlich immer beachtet werden. Aber wir müssen aufhören, sie permanent in den Vordergrund zu stellen. Auch hier ist die Ansiedlung von Tesla in Brandenburg ein gutes Beispiel. Drittens müssen wir neu denken: Unternehmerische Freiheiten und Flexibilität sind kein Widerspruch, sondern der Weg zur Sicherung von Arbeitsplätzen.

Müssen wir uns Sorgen machen, dass es in der Arbeitswelt 4.0 keine Arbeit mehr gibt?

Dr. Saskia Ludwig: Mir ist es wichtig, dass wir die Sorgen der Menschen auf jeden Fall ernst nehmen. Trotzdem sehe ich auch Grund für Optimismus: Die Erfahrung hat gezeigt, dass durch die Veränderung unserer Arbeitswelt auch neue Arbeit entsteht. Ein Beispiel: Körperliche Arbeit geht in vielen Berufsbildern zurück. Gleichzeitig entstehen neue Jobs, die im Bereich Bewegung und Gesundheit angesiedelt sind.

Welche Entwicklungen und Potentiale sehen Sie in der Arbeitswelt der Zukunft?

Dr. Saskia Ludwig: Seit einigen Jahren erleben wir, dass Selbstständigkeit und Unternehmertum einen neuen Boom entwickeln. Diesen Gründergeist müssen wir als Politik weiter fördern. Der eigentliche Treiber der Veränderung ist natürlich die Digitalisierung. Die Corona-Pandemie hat uns einen Vorgeschmack darauf gegeben: Die neuen Möglichkeiten des Homeoffice beinhalten gerade für Brandenburg ein unglaubliches Wachstumspotential.

IT-Berater, Softwareentwickler, Elektrotechnikingenieure, Date Scientist und Artists, Scrum Master, CSR-Manager – sind die Trendberufe 2020. Wie sind wir für diese neuen Berufe im Bereich der beruflichen Bildung aufgestellt?

Dr. Saskia Ludwig: Unsere Kinder werden in Berufen arbeiten, die wir heute noch gar nicht kennen. Darauf muss sich auch die berufliche Bildung einstellen. Wir müssen Berufsausbildung – an Universitäten, Fachhochschulen und die duale Ausbildung – fit für die Zukunft machen.

Vielen Dank für das Gespräch.


Interessante Themen für Sie:

SASKIA LUDWIG  AK1